Briefmarkensammlerverein Tübingen e. V.
 
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72070 Tübingen
Tel.: 07071 42648
   

Heimatsammler Tübingen


Brief

Ganzsache von Tübingen auf die Insel Kos

4. August 1916 an das Besitzsteueramt

Tübingen Absender:
Bankcommandite
Sigmund Weil
Tübingen Hechingen
Sigmaringen
Commandite der mittel-
deutschen Kreditbank
Frankfurt a. M.,
Berlin.Stempel:
- Tübingen Postamt Nr. 1
4. AUG 16

Bei diesem Brief ist vor allem der Absender, die Tübinger Zweigstelle der Privatbank Sigmund Weil, sehr interessant.

Ihr Besitzer, der genannte Sigmund Weil, war Handelsrichter am Tübinger Landgericht, Vorstand des Württembergischen Bankiersverbands und zusammen mit seinem Bruder Albert Eigentümer der Tübinger Chronik.

Die Bankcommandite Sigmund Weil war seit 1910 in der Tübinger Wilhelmstraße 22 ansässig. Sie war die führende Tübinger Industrie und Gewerbebank und beschäftigte in den Zwanzigerjahren rund 40 Personen in zahlreichen Filialen und einigen Agenturen.

Carlo Schmid berichtete in seinen Memoiren, dass der Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Oswald Lehnich vom Bankier Sigmund Weil erzählte, dieser sei ein hochanständiger Mann und habe ihm zu höchst fairen Bedingungen eine Hypothek auf seine im Bau befindliche Villa gegeben.

Aber dieses hohe Ansehen nutzte dem Bankier nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten reichlich wenig – Sigmund Weil war Jude.

Schon am 12.6.1933 beendete die Stadt Tübingen per Gemeinderatsbeschluss seine Geschäftsbeziehungen zum Bankhaus, wie übrigens auch zu den meisten Geschäftsleuten jüdischer Abstammung.

Die Bank wurde noch im selben Jahr in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Weil erhielt nun nur noch 280 von 640 ausgegebenen Wertpapieren, war in der nächsten Zeit einer Reihe von öffentlichen Diffamierungen ausgesetzt und emigrierte schließlich mit seiner Familie in die Schweiz. 1934 wurde Weil gezwungen seine verbliebenen 240 Anteile zu verkaufen und aus dem Aufsichtsrat der Bank auszuscheiden.

Verwendete Literatur:
- Geschichtswerkstatt Tübingen (Hrsg.):
  Zerstörte Hoffnungen. Wege der Tübinger Juden, Stuttgart 1995
- Benigna Schönhagen, Wilfried Setzler: Jüdisches Tübingen, Haigerloch 1999

zusammengestellt von Max Häfner, am 12. September 2006



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Der erste Tübinger Ganzsachentyp

Ganzsache von Tübingen auf die Insel Kos

Ganzsache:
4. August 1902 von Tübingen auf die Insel Kos

Adresse:
Dr. Rudolf Herzog
Ile de Cos (Istankoy)
Turquie d’Asie
via Smyrna
Stempel:
- Tübingen Stadt 4/AUG/02
- Constantinopel Arivees
- Constantinopel Deutsche
Post 7 8/02
- Smyrna (Rückseite)
- Insel Kos (unleserlich)

Die Karte ist der erste Ganzsachentyp des Deutschen Reiches (Mi.Nr. P59), der in Württemberg und damit in Tübingen zur Verwendung kam.
1902 ging die Postverwaltung von Württemberg in die Hoheit des Deutschen Reiches über, dem nun auch die Ausgbabe von Briefmarken und Ganzsachen oblag. W ürttembergische Dienstmarken gab es noch bis 1920.

Die Route der Ganzsache setzt sich wie folgt zusammen:
In Tübingen am 04.08.1902 abgesendet lief die Karte über das deutsche Auslandspostamt in Konstantinopel (heute Istanbul) weiter nach Smyrna.
Jene Stadt in Kleinasien, die heute unter dem Namen Izmir bekannt ist, war im Lauf der Geschichte immer wieder Anlass zu Konflikten und Kriegen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung aus Griechen und damit aus orthodoxen Christen bestand, gehörte Smyrna ursprünglich zum Osmanischen Reich und trug den inoffiziellen Namen „Govur Izmir“ - ungläubiges Smyrna. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde Smyrna 1920 im Vertrag von Sèvres, der die Verhältnisse in Vorderasien, sowie im Nahen Osten regeln sollte, dem zur siegreichen Entente gehörenden Griechenland zugesprochen. Die neugeschaffene türkische Republik erkannte den Vertrag allerdings nicht an. In der Folgezeit kam es, infolge des griechischen Vorhabens, weite Gebiete im östlichen Mittelmeerraum, sowie in Kleinasien zu erobern, der sogenannten „megali idea“ (Große Idee), zum griechisch-türkischen Krieg (1920-1922). Smyrna wurde 1919 von griechischen Truppen besetzt. Der Krieg endete allerdings mit der Niederlage Griechenlands und der Revidierung des Vertrages von Sèvres. Smyrna wurde endgültig der Türkei zugesprochen. Die griechischen Bevölkerungsteile der Stadt flohen oder wurden bei türkischen Übergriffen get ötet.

Ziel der Ganzsache ist schließlich die Insel Kos im türkischen Verwaltungsgebiet Istankoy (Karien).
Die Insel, auf der in der Antike Hippokrates seine medizinische Hochschule (Asklepieion) errichtete, war bis 1912 Bestandteil des Osmanischen Reiches, kam dann unter italienische Verwaltung und wurde im Vertrag von Sèvres endgültig Italien zugesprochen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Insel schließlich ins Staatsgebiet Griechenlands eingegliedert. In der neueren Geschichte erlangte die Insel nur im zweiten Weltkrieg historische Bedeutung, als 1943 deutsche Soldaten im Rahmen der Operation Eisbär die Insel besetzten und etwa 4.500 britische und italienische Soldaten gefangen nahmen.

Max Häfner, am 5. April 2006




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Übersicht Tübinger Stempel Vorphilatelie

aus:
Heinz und Max Häfner
"Tübinger Briefe und Stempel - Eine philatelistische Sammlung im Spiegel der Heimat- und Zeitgeschichte"
Band 1- Vorphilatelie
Tübingen, im Winter/Frühjahr 2004/2005


1."Adlige" Stempel Tübingen


Adlige Stempel Tübingen "Adlige" Stempel Tübingen
Type I
Stempelmaße: 25 x 2 mm
Verwendet von 1770 bis 1800
Stempelfarbe schwarz, selten rot
Adlige Stempel Tübingen "Adlige" Stempel Tübingen
Type II
Stempelmaße: 31 x 10mm
Verwendet von 1784 bis 1802
Stempelfarbe schwarz



2. Rayon-Stempel Tübingen


Rayon Stempel Tübingen Rayon-Stempel Tübingen
Type I
Stempelmaße: 58 x 5 mm
Verwendet von 1803 bis 1807
Stempelfarbe schwarz und rot (1807)
Rayon Stempel Tübingen Rayon-Stempel Tübingen
Type II
Stempelmaße: 38 x 5 mm
Verwendet von 1805 bis 1810
Stempelfarbe schwarz und (rot 1807)
(Y statt U)


3. Einzeiler-Stempel (L 1) Tübingen


Einzeiler-Stempel Tübingen Einzeiler-Stempel (L1) Tübingen
Type I
Stempelmaße: 47 x 5 mm
Verwendet von 1807 bis 1810
Stempelfarbe schwarz
Einzeiler-Stempel Tübingen Einzeiler-Stempel (L1) Tübingen
Type II
Stempelmaße: 46 x 5 mm
Verwendet von 1809 bis 1816
Stempelfarbe schwarz
Einzeiler-Stempel Tübingen Einzeiler-Stempel (L1) Tübingen
Type III
Stempelmaße: 38 x 5 mm
Stempelfarbe: schwarz und blau,
selten rot oder grün
Einzeiler-Stempel Tübingen Einzeiler-Stempel (L1) Tübingen
Type IV
Stempelmaße: 39 x 5 mm
Stempelfarbe schwarz und blau


4.Zweizeiler-Stempel (L2) Tübingen


Zweizeiler-Stempel Tübingen Zweizeiler-Stempel (L2) Tübingen
Type I
Stempelmaße: 32 x 4mm
Verwendet von 1811 bis 1832
(mit 3 Ziffern in der Jahresangabe möglich)
Stempelfarbe schwarz, von März bis Oktober 1815 rot
Zweizeiler-Stempel Tübingen Zweizeiler-Stempel (L2) Tübingen
Type II
Stempelmaße: 37 x 4mm
Verwendet von 1813 bis 1828
Stempelfarbe schwarz
Zweizeiler-Stempel Tübingen Zweizeiler-Stempel (L2) Tübingen
Type III
Stempelmaße: 40 x 4 mm
Verwendet von 1829 bis 1861
Stempelfarbe schwarz von 1829 bis 1846,
blau von 1844 bis 1849,
danach wieder schwarz bis 1861


5. Zweikreis-Stempel (K2) Tübingen


Zweikreis-Stempel Tübingen Zweikreis-Stempel (K2) Tübingen
Type I
Stempelmaße: rund Durchmesser
22,5 mm
Links und rechts Zierstücke
Verwendet von 1849 bis 1861
Stempelfarbe: blau von 1849 bis 26.6.1853
danach schwarz bis 1861


6. Nebenstempel Tübingen
6.1. Chargé-Stempel Tübingen


Chargé-Stempel Tübingen Chargé-Stempel
Type I
Lange Schleife des "C"
Stempelmaße: 28 mm
Verwendet von 1805 bis 1836
Stempelfarbe schwarz
Chargé-Stempel Tübingen Chargé -Stempel
Type II
Kurze Schleife des "C"
Stempelmaße: 28 mm
Verwendet von 1832 bis 1875
Stempelfarbe blau und schwarz


6.2. Distributions-Stempel


Distributions-Stempel Distributions-Stempel
Type I
Stempelmaße: 20 mm Durchmesser
Verwendet von 1846 bis 1870
Stempelfarbe blau bis 1849,
danach schwarz


6.3. Sonstige Nebenstempel


Sonstige Nebenstempel PP-Stempel (port payé)
Stempelmaße: 13 x 7 mm
Stempelfarbe schwarz

 

       
 
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